Zum Konzert am 19. September 1992 in Berlin


FAZ, 23. September 1992

Berstende Klangchiffren

Gewinn für die Berliner Festwochen: Aribert Reimann

Nicht die großen Orchesterkonzerte der diesjährigen Berliner Festwochen, die der Region Prag gewidmet sind, brachten bisher den großen künstlerischen Gewinn, eher waren es externe, thematisch nicht gebundene musikalische Ereignisse.

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Nach solchen interessanten, aber nicht sonderlich perspektivenreichen künstlerischen Erfahrungen des Festwochen-Konzertlebens war es überwältigend, dem ersten von insgesamt vier kompositorischen Porträts des Berliner Komponisten Aribert Reimann zu begegnen. Der Abend begann tastend mit der zarten Klangwelt von Reimanns "Nocturnos für Violoncello und Harfe" (1956) und schien ungut auseinanderzubrechen, als Dietrich Fischer-Dieskau einer plötzlichen stimmlichen Indisposition nachgab und Reimanns Zyklus nach Texten von James Joyce "Shine and dark" (1989) für Bariton und Klavier (linke Hand) unterbrach. Der von Fischer-Dieskau schließlich bravourös-meisterlich vollendete Zyklus wurde für den engagierten Sänger und den am Klavier sekundierenden Komponisten zuletzt dann doch ein lang und herzlich gefeierter Erfolg.

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Wolfgang Burde

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