Der Besuch des grossen alten Herrn - Geistliche Musik im Ludwigshafener Pfalzbau - Dietrich Fischer-Dieskau als Sprecher

Seltenes, Attraktives und höchst Wertvolles hat die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz an ihrem ersten Abend im Pfalzbau in dieser Saison vorgestellt. Es handelte sich - unter Mitwirkung des Münchner MotettenChors - um ein Programm mit geistlicher Musik: Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms, "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" (op. 42) und nach der Pause Arthur Honeggers sinfonischer Psalm "König David".

Beginnen wir einmal von hinten, mit Honeggers monumentaler oratorischer Komposition, die schon von ihrer Dimension her den Schwerpunkt bildete. Es ist eines der faszinierendsten Musikstücke des 20. Jahrhunderts. Honegger zeigt darin eine ungemein plastische und sinnfällige Tonsprache, eine dramatische Energie, originelle, mitunter bizarre, gelegentlich lautmalerische Farben, überwältigende Kontraste und grelle Töne und beseelte Lyrismen.

Beide Stücke erfuhren in Ludwigshafen eindeutig adäquate Aufführungen. Hayko Siemens, künstlerischer Leiter des vorzüglich disziplinierten, versierten, klanglich ausgeglichenen, über bemerkenswertes vokales Potential gebietenden Münchner MotettenChors, profilierte sich als kompetenter, gezielt disponierender, stilistisch sattelfester Dirigent. Er animierte die Staatsphilharmonie zu einer imponierend geschlossenen Leistung.

Von den Solisten gefiel besonders Frank van Aken durch tenoralen Glanz. Anerkennenswerte Darbietungen auch von Maacha Deubner (Sopran), die auch beim Mendelssohn'schen Psalm mitwirkte, und Ulrike Schneider (Alt). Last but not least der Besuch des großen alten Herrn: Als Erzähler in "König David" fungierte Dietrich Fischer-Dieskau und profilierte sich dabei als glänzender, virtuoser Rezitator.

Von unserem Mitarbeiter: Gabor Halasz

RHEINPFALZ ONLINE, Montag, 30. September 2002


 

Mannheimer Morgen 01.10.2002

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