1. Oktober 1991, 20.00 Uhr, Stuttgart, Liederhalle-Schillersaal,

  LeseConcert
Hugo-Wolf-Akademie

     Dietrich Fischer-Dieskau
Pianist
: Hartmut Höll

      Gert Westphal liest aus: Alfred Kerr, "Die Welt im Licht" (1920)

Bretonenland
Finistère
Dinan
Rakéel
Platens Grab
  "Krämerspiegel"
Zwölf Gesänge von Alfred Kerr für eine Singstimme und Klavier, op. 66 (1921)

Es war einmal ein Bock
Einst kam der Bock als Bote
Es liebte einst ein Hase
Drei Masken sah ich am Himme stehn
Hast Du ein Tongedicht vollbracht
O lieber Künstler, sei ermahnt
Unser Feind ist, großer Gott.

Von Händlern wird die Kunst bedroht

Es war einmal eine Wanze

Die Künstler sind die Schöpfer
Die Händler und die Macher
O Schröpferschwarm, o Händlerkreis

    

Aus dem Programmbuch der Hugo-Wolf-Akademie

Zum 70. Geburtstag von Gert Westphal am 5. Oktober 1990 von Dietrich Fischer-Dieskau

Die Kunst des Vorlesens.

Lieber und Verehrter, seit wir vor nunmehr einigen Jahrzehnten zum leider einzigen Mal zusammenwirkten, und ich lhnen bei einer halbgesprochenen Partie in Fortners »Der Wald« nicht ganz unangenehm aufgefallen war, bin ich ein Verehrer lhrer Kunst. Denn es handelt sich in der Tat um ein Stück künstlerischer Nachkriegsgeschichte, das Sie mitgeschrieben haben. Zu lhrem unglaubhaft hohen Geburtstag soll das mit allem Nachdruck gesagt sein.

Wie dumm war ich, damals Ihr freundliches Angebot in den furchtsamen Wind der Scheu zu schlagen, Eichendorffs »Marmorbild« für den Funk zu lesen. Da ist mir sicherlich eine Menge Lern- und Bewährungsmöglichkeit entschlüpft. Sie haben seither just dieses Feld mit so viel Glück und Können bestellt, daß es für alle, die daran teilhaben durften, eine Lust war.

Die Kunst des Vorlesens war schon fast vergessen. Das Jahrhundert, in dem sie auf wunderbarste Weise gepflegt wurde, schien unwiederbringlich dahin. Heute sieht das - dank lhrer Tätigkeit - ganz anders aus. Wer hätte je mit mehr Farbe, Temperament und zugleich künstlerischer Zügelung riesige Textstrecken kurzweilig zu machen gewußt wie Sie? Und wer kann es nach Ihnen? Die Großen der deutschsprachigen Erzählkunst haben durch lhre Stimme ein neues Leben im Bewußtsein weitester Kreise begonnen, für das wir alle nur dankbar sein können.

Fahren Sie bitte fort, noch lange der Dichtung dienstbar zu sein, ihr lhre zugleich subjektive und werkgetreue Wiedergabe zuteil werden zu lassen. Die da oben bei Whist oder Taroque werden es lhnen lächelnd danken.

Mit den herzlichsten Geburtstagswünschen

lhr Dietrich Fischer-Dieskau

 

urück zur Übersicht 1991
zurück zur Übersicht Kalendarium