Hamburger Abendblatt 26.04.2003

Im Finale am Ende

Dresdner Streichquartett im Curio-Haus

Hamburg - Auf der Zielgeraden haben sie leider ein bisschen die Kontrolle verloren: Schon das Ende von Mendelssohns op. 13 konnte die intonatorische Ideallinie nicht ganz halten; die Zugabe - das virtuose Finale aus Beethovens op. 59, 3 - drohte stellenweise aus der Kurve zu fliegen. Schade eigentlich, denn bis dahin hatten die Mitglieder des Dresdner Streichquartetts im Curio-Haus einen vorzüglichen Eindruck hinterlassen.

Vital und energiegeladen brachte das Ensemble zunächst die barto´kianisch vertrackten Rhythmen in Schulhoffs selten gespielten Fünf Stücken (1923) auf den Punkt, um anschließend sensibel den musikalischen Grenzgängen des 4. Quartetts von Peter Ruzicka nachzuspüren: Das 1996 entstandene Werk bewegt sich zwischen wild herausfahrenden Gesten des Zersplitterns und Momenten, in denen der Klang am Rande der Stille entlangtastet. Ergänzt wird die fragmentarische Struktur der Musik durch sporadisch eingestreute Zitate aus Texten von Adorno bis Valéry, für deren Vortrag kein Geringerer als Dietrich Fischer-Dieskau in ungewohnter Sprecherrolle mit mustergültiger Diktion verantwortlich zeichnete.

Auch im jugendlich-forschen a-moll-Quartett op. 13 von Mendelssohn demonstrierten die Dresdner Musiker bis ganz kurz vor Schluss die große Kunst der kleinen Details, ließen melodische Phrasen wunderbar aufblühen und motivische Linien klangschön verschmelzen. Wäre dann nicht das missglückte Ende dazwischengekommen, hätte man von einer kammermusikalischen Lehrstunde sprechen mögen. Stä

erschienen am 26. Apr 2003 in Kultur / Medien

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